Bürgermeisterwahl: Im Jahr 2023 trat Michael Anthofer in Gorxheimertal an, nun will der CDU-Fraktionsvorsitzende in seiner Heimatgemeinde Birkenau Verantwortung als Rathauschef übernehmen.
Birkenau. Das Jahr 2027 ist ein Superwahljahr im Odenwald: Neben Fürth, Mörlenbach und Grasellenbach wählt auch Birkenau einen neuen Bürgermeister. Der genaue Wahltermin soll am Dienstag, 18. August, in der Sitzung der Gemeindevertretung festgelegt werden. Nun hat mit Michael Anthofer der erste Bewerber seine Kandidatur bekannt gegeben. Der 37-Jährige hatte sich 2023 bereits in der Gemeinde Gorxheimertal um das Bürgermeisteramt beworben. Nun hat er für Birkenau viel vor.
Nach Gorxheimertal gehen Sie jetzt in Birkenau als erster offizieller Kandidat ins Rennen. Warum?
Michael Anthofer: Birkenau ist für meine Familie und mich längst zur Heimat geworden. Seit 2019 leben wir in Hornbach, seit 2020 engagiere ich mich kommunalpolitisch und bin heute Vorsitzender der CDU-Fraktion. Dadurch habe ich die Gemeinde und ihre Ortsteile intensiv kennengelernt. Die Kandidatur in Gorxheimertal 2023 war eine wertvolle Erfahrung. Heute möchte ich dort Verantwortung übernehmen, wo ich mit meiner Familie lebe und mich engagiere: in Birkenau.
Was hat Ihnen Ihre Kandidatur in Gorxheimertal 2023 persönlich über das Amt des Bürgermeisters beigebracht?
Anthofer: Die Kandidatur in Gorxheimertal hat mir gezeigt, wie wichtig Zuhören und der direkte Austausch vor Ort sind. Zugleich habe ich erfahren, wie anspruchsvoll das Bürgermeisteramt ist: Es braucht fachliche Kompetenz, klare Entscheidungen und die Fähigkeit, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen und Entscheidungen nachvollziehbar zu vermitteln. Diese Erfahrung hat meinen Wunsch, kommunale Verantwortung zu übernehmen, weiter bestärkt.
Seit 2020 sind Sie kommunalpolitisch in Birkenau aktiv. Seit diesem Jahr sind Sie zudem CDU-Fraktionsvorsitzender. Ist die Kandidatur für das Bürgermeisteramt für Sie die logische Konsequenz Ihres kommunalpolitischen Engagements?
Anthofer: Ich sehe die Kandidatur nicht als zwangsläufigen nächsten Schritt einer politischen Laufbahn. Der Entschluss ist über die vergangenen Jahre gewachsen. Dabei ist die Überzeugung gereift, dass ich meine berufliche Führungserfahrung und kommunalpolitischen Kenntnisse als Bürgermeister einbringen kann. Ich möchte gemeinsam mit den politischen Gremien, der Verwaltung und den Menschen die Entwicklung Birkenaus aktiv gestalten.
Die Gemeinde beschäftigt Herausforderungen in vielen Bereichen. Was wollen Sie grundsätzlich anders machen als Amtsinhaber Milan Mapplassary?
Anthofer: Es ist nicht mein Ansatz, den Amtsinhaber persönlich zu bewerten. Entscheidend ist, mit welchem Verständnis ich selbst das Amt ausüben möchte. Ich stehe für klare Prioritäten, nachvollziehbare Entscheidungen und eine verlässliche Umsetzung. Wir können nicht alles gleichzeitig lösen und müssen offen darlegen, was notwendig, finanzierbar und in welcher Reihenfolge umsetzbar ist. Dazu gehören für mich klare Strukturen, die Einbindung der Mitarbeiter der Verwaltung sowie eine frühzeitige und transparente Zusammenarbeit mit Gemeindevertretung, Ortsbeiräten und Bürgern. Dabei ist mir wichtig, unterschiedliche Auffassungen ernst zu nehmen, dann aber auch Entscheidungen herbeizuführen und Verantwortung für deren Umsetzung zu übernehmen.
Die drastische Erhöhung der Wassergebühren sorgt in Birkenau für viele Diskussionen. Wie stehen Sie zu diesem Thema?
Anthofer: Die deutliche Erhöhung der Wassergebühren stellt für viele Bürger eine erhebliche Belastung dar. Dass sie für Unverständnis sorgt, kann ich gut nachvollziehen. Gleichzeitig müssen Wassergebühren rechtssicher und kostendeckend kalkuliert werden. Entscheidend ist, transparent darzustellen, wie sich die Gebühren zusammensetzen und welche Möglichkeiten zur Entlastung bestehen. Dazu müssen Einsparpotenziale und zusätzliche Einnahmemöglichkeiten geprüft werden. Eine Senkung ohne Gegenfinanzierung hätte nach der gegenwärtigen Haushaltslage eine weitere Erhöhung der Grundsteuer B zur Folge gehabt. Langfristig müssen wir vor allem die Ursachen angehen: den Zustand des Leitungsnetzes, Wasserverluste und den bestehenden Investitionsbedarf.
Dieser Sommer ohne Badebetrieb im Freibad bewegt die gesamte Gemeinde. Was sagen Sie: Sanieren oder das Geld angesichts des angespannten Haushalts sparen?
Anthofer: Das Freibad besitzt für Birkenau einen hohen gesellschaftlichen Wert und sollte grundsätzlich erhalten werden. Angesichts der angespannten Haushaltslage brauchen wir dafür aber zunächst eine belastbare Grundlage: Welche Maßnahmen sind notwendig, welche Sanierungsvarianten gibt es, welche Kosten entstehen und welche Fördermittel können eingesetzt werden? Auch Einsparungen beim künftigen Betrieb müssen geprüft werden. Erst dann kann verantwortungsvoll entschieden werden, in welchem Umfang eine Sanierung finanzierbar ist.
Sehen Sie Alternativen zur Erhöhung der Grundsteuer B?
Anthofer: Die Grundsteuer B belastet nahezu alle Menschen in unserer Gemeinde, Eigentümer unmittelbar und Mieter über die Nebenkosten. Deshalb darf eine Erhöhung nicht der erste Weg sein, um finanzielle Lücken zu schließen. Zunächst müssen Ausgaben, freiwillige Leistungen, interne Abläufe und Verträge auf Einsparpotenziale überprüft werden. Gleichzeitig müssen wir Investitionen klar priorisieren und zusätzliche Einnahmemöglichkeiten entwickeln. Dazu gehört auch, die wirtschaftliche Entwicklung Birkenaus stärker in den Blick zu nehmen und die Rahmenbedingungen für Unternehmen zu verbessern. Mein Ziel ist es, weitere Belastungen möglichst zu vermeiden, ohne die Handlungsfähigkeit der Gemeinde zu gefährden.
Wo sehen Sie generell Einsparpotenzial für die Gemeinde?
Anthofer: Einsparpotenziale entstehen aus meiner Sicht nicht durch eine einzelne große Maßnahme, sondern durch die konsequente Überprüfung vieler Bereiche. Dazu gehören Energie- und Bewirtschaftungskosten kommunaler Gebäude sowie die Frage, welche Aufgaben gemeinsam mit anderen Kommunen wirtschaftlicher erfüllt werden können. Auch digitale und klarere interne Prozesse können langfristig Zeit und Kosten sparen. Fördermittel dürfen dabei nicht allein ausschlaggebend sein, denn auch geförderte Maßnahmen verursachen Eigenanteile und Folgekosten. Konkrete Einsparbeträge lassen sich von außen nicht seriös beziffern. Dafür braucht es einen umfassenden Einblick in Haushalt, Verträge und Verwaltungsabläufe. Pauschale Kürzungen halte ich deshalb nicht für zielführend.
Das marode Wasserleitungsnetz bringt zahlreiche Wasserrohrbrüche mit sich, deren Reparatur die Gemeinde viel Geld kostet. Die Gemeindeverwaltung hat inzwischen ein neues Konzept für die Trinkwasserversorgung vorgestellt. Wie bewerten Sie dieses?
Anthofer: Das Konzept ist ein wichtiger Schritt, weil wir für die künftige Wasserversorgung eine belastbare fachliche Grundlage benötigen. Entscheidend ist, dass daraus konkrete Maßnahmen, klare Prioritäten, ein realistischer Zeitplan und eine verlässliche Finanzierungsplanung entstehen. Dabei sollten auch die praktischen Erfahrungen der Mitarbeiter unserer Wasserversorgung einbezogen werden. Dringende Maßnahmen dürfen nicht unnötig aufgeschoben werden. Da sich das Leitungsnetz nicht kurzfristig sanieren lässt, braucht es einen langfristigen Investitionsplan, der besonders kritische Bereiche zuerst berücksichtigt. So können Wasserverluste und Reparaturkosten reduziert und die Versorgungssicherheit gewährleistet werden.
Die Straßensanierung der Ortsdurchfahrten in Birkenau und Reisen bewegt seit einem Jahr die Birkenauer, vor allem die Gewerbetreibenden. Wie stehen Sie zu diesem Mammutprojekt?
Anthofer: Die Sanierung der Ortsdurchfahrten ist notwendig und für die langfristige Entwicklung unserer Gemeinde von großer Bedeutung. Gleichzeitig bringt ein Projekt dieser Größenordnung erhebliche Belastungen für Anwohner, Verkehrsteilnehmer und Gewerbetreibende mit sich. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig zu informieren, die Betroffenen fortlaufend einzubeziehen und auf konkrete Probleme möglichst schnell zu reagieren. Besonders die Erreichbarkeit der ansässigen Geschäfte muss im Blick bleiben. Ebenso wichtig ist, Arbeiten an Straßen, Leitungen und weiterer Infrastruktur bestmöglich zu koordinieren. Einschränkungen lassen sich nicht vermeiden, durch gute Planung und transparente Informationen aber begrenzen.
Ein Thema, das immer wieder für Diskussionen in der Gemeinde sorgt, ist die Kommunikation mit den Bürgern. Wie werden Sie diese im Fall der Wahl gestalten?
Anthofer: Gute Kommunikation beginnt für mich mit frühzeitiger und verständlicher Information. Bürger sollten nicht erst dann von wichtigen Vorhaben erfahren, wenn Entscheidungen bereits getroffen sind. Dabei möchte ich unterschiedliche Wege nutzen: persönliche Gespräche und regelmäßige Dialogangebote ebenso wie die digitalen Informationsangebote der Gemeinde. Wichtig ist mir, auch in den Ortsteilen präsent und ansprechbar zu sein. Wo Beteiligung möglich ist, soll sie frühzeitig stattfinden. Kommunikation bedeutet für mich aber nicht, dass am Ende alle derselben Meinung sein müssen. Wichtig ist, unterschiedliche Perspektiven ernst zu nehmen und Entscheidungen nachvollziehbar zu erklären. Am Ende müssen Entscheidungen aber auch getroffen, vertreten und verlässlich umgesetzt werden.
